Lebensgeschichte Teil 4

Der einzige Halt in meinem Leben war mein kleinster Bruder Kevin, Davids Kind.

Er war für mich wie mein eigener Sohn.

Ich war bei seiner Geburt dabei.

Ich war die Erste die ihn im Arm hielt.

Ich war es, die trotz Schule, nachts aufstand, wenn er geweint hat.

Ich war es, die ihn gewickelt, gebadet, gefüttert, ihn angezogen und ihn den Schlaf gewogen hat.

Seine erstes Wort, dass an mich gerichtet war, war „Mama“….

In den Sommerferien, als Kevin ein Jahr alt war, habe ich Windpocken bekommen und Kirsten, Christian, Tobias und Sarah sind für eine Woche zum zelten an einen See gefahren. Ich habe eine Liste mit Aufgaben von Kirsten bekommen und sie entfernte überall die Fernsehkabel.

Ich hatte hohes Fieber und Kevin ließ sie bei mir.

Ich musste mich ganz allein um ihn kümmern und hatte kaum Kraft, während sie sich irgendwo sonnten und badeten. Ich hab ihn dann auch angesteckt.

Kevin war schon immer mein „Zuständigkeitsbereich“, das Babyphone stand nachts immer bei mir. Ich hatte keine Zeit zum Lernen gehabt. Oft musste ich von meiner Mutter aus schwänzen, um mich um Kevin zu kümmern. Zeit zum lernen oder um die Hausaufgaben zu machen, hatte ich meistens nur im Bus auf dem Weg zur Schule.

Tobias hatte ich zu der Zeit eher selten bei mir gehabt. Er war dann derjenige, der bei meiner Oma bleiben musste.

Meine Oma hat einen Lebensgefährten. Günther. Er war eher für sie ein Saufkumpane und Fußabtreter.

Was Tobias und ich alles mit ansehen mussten… unsere Oma hat Günther oft verprügelt, hauptsächlich geschubst. Die Treppen runter geschubst, durch Glasscheiben geschubst, ihn auf die Straße geschubst (er wurde sogar angefahren), geschubst, er fiel und knallte mit dem Kopf auf die Tischecke. Es war schlimm… er sah immer schlimm aus, aber Mitleid wollte ich nicht empfinden, weil er im Grunde für mich nichts als ein erbärmlicher Säufer war.

 

 

-Ende Teil 4-

27.8.14 12:43

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