Lebensgeschichte Teil 3

So lief es bis zur Pubertät. Bis da hin hatte sie schon etliche Männer. Sie hing ewig am PC und chattete den ganzen Tag mit irgendwelchen Männern, fuhr zu denen und kam auch nicht selten bekifft zurück. Das war auch zu der zeit so, als Tobias noch 2 Jahre alt war.

Thorsten trennte sich von ihr an Weihnachten.

Ich kam nach der Schule nach Hause und seine Sachen waren verschwunden…

Deshalb verbrachten wir auch Heilig Abend bei Kirsten ihrer besten Freundin.

Was mich nicht gewundert hat war, dass auch ein anderer Mann dort war, mit dem sie Händchenhaltend und küssend auf dem Sofa saß. Ich wusste sofort, dass das jetzt der Neue ist, der bei uns einzieht. So war es dann auch.

Wir zogen mit Kirsten und David nach Hohenkammer.

David war für mich ein Glücksfall.

Er stand mehr zu mir, er verteidigte mich vor Kirsten und sagte ihr oft, dass sie so nicht mit mir umgehen kann.

Wenn Kirsten etwas unternehmen wollte, wollte David immer, dass wir alle gemeinsam fahren.

David finanzierte ihr eine Umschulung zur IT-Systemkauffrau. Dort in der „Schule“ lernte sie einen neuen kennen, mit dem sie auch regelmäßig den Kurs schwänzte (hat sie mir erzählt). Und das, obwohl sie von David schwanger war. Einen Tag nachdem meine Mutter die Beziehung zu David beendete, brachte sie Christian mit nach Hause.

Dieser ständige Männerwechsel machte mir zu schaffen, David war weg, der einzige Mensch, der auf meiner Seite stand, der einzige Mensch dem ich nicht egal war..

Ich fing an, mich selber zu bestrafen. Ich kam mit allem nicht mehr zurecht. Ich konnte mir nicht erklären, warum mich mein Vater nie wollte und warum es für mich keinen Halt gibt.

Ich wusste genau, warum meine Mama mich nie lieb hatte, womit ich ihren Hass verdiente.

Ich war selber Schuld. Allein mein Dasein ist Schuld daran, dass meine Mutter ihre erste große Liebe, meinen Vater, verloren hat.

Ich sah den Fehler immer nur bei mir und hasste mich für das was ich bin.

Ich bestrafte mich, indem ich meine Arme aufschnitt.

Zuerst war es nur der Hass den ich gegen mich richtete, kurz darauf merkte ich aber, dass mir das schneiden gut tat. Der innere Schmerz ließ nach, das Blut lief warm an mir herunter und ich kam zur Ruhe..

Kirsten beschimpfte mich deshalb auch als Psycho, sie würde mich in die Klapse stecken usw. Ich wurde oft von ihr erniedrigt, was sie vor außenstehenden Personen gut „verbergen“ konnte. In der Öffentlichkeit war sie ein anderer Mensch…

Ich hasste mich selber, ich hasste meinen Körper, mein Herz schmerzte, weil meine eigene Mutter, die einzige Person die ich hatte, so gut wie nichts für mich empfand, ich fühlte mich ungeliebt und allein.

Ich nahm alles dafür her, was ich griffbereit hatte, CDs zerbrochen, Messer, ich schnitt mich immer tiefer und fing auch an, mir Nadeln in die Adern zu stechen, bis sie sich komplett blau färbte, schnitt meine Oberschenkel auf, damit keiner was sieht und ich deswegen nicht mehr als Psycho beschimpft werde.

Ich habe auch nach Dingen im Haus gesucht, mit denen ich mich umbringen kann, Schlaftabletten, ich fand aber nichts, ich trank sogar Spülmittel, ich sprühte mir eine ganze Packung Nasenspray in die Nase, weil ich in der Packungsbeilage gelesen habe, dass eine Überdosierung zum Herzinfarkt führen kann. Es klingt für Außenstehende vielleicht lächerlich, aber ich habe nichts ausgelassen.

Die Pulsadern aufzuschneiden ist nicht so einfach wie man denkt, ich habe es versucht und habe es nicht richtig gemacht. Die Konsequenz davon war, dass ich beschimpft wurde. Wieder ein neuer Schnitt, wieder eine neue Narbe, die Fragen Außenstehender aufwerfen könnten….

 

-Ende Teil 3-

27.8.14 10:11

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